Willkommen im Traumwald
Mythen und Märchen

die Sache mit dem Urlaub 23

Ein neues zu Hause

Erster Akt

wenig später
in Siebenbürgen


Anwalt: „ Herzlichen Glückwunsch, Frau Dracul. Sie sind nun stolze Besitzerin dieses Anwesens.“
Lucrezia: „Wundervoll. Ich danke Ihnen für die Mühe.“
Jasper: „Johnny, Du könntest Dich auch ruhig etwas freuen.“

Jasper: „Es ist so weit, ihr könnt, die Möbel nach oben bringen.“
Mateo: „Aber sicher doch.“
Elek: „Wollen wir mit dem Klavier anfangen?“

Drakonia: „Aber seit ja vorsichtig mit dem guten Stück.“
Elek: „Danach holen wir Johnnys Schrank.“
Jasper: „Johnny wohnt immer noch im Schrank?“

Mateo: „Vielleicht mag er seinen Schrank.“
Lucrezia: „Was macht eigentlich Johnny?“
Jasper: „Ich glaube er ist oben.“

Drakonia: „Ich bring die Pflanze nach oben.“
Lucrezia: „Du stellst Cleo und Jimmy in den selben Raum?“
Drakonia: „Nein, nein. Cleo steht im ehemaligen Turm. Da habe ich eine Menge Vögel kreisen gesehen.“

Jasper: „Das wird schön. Schau nur, die wundervolle Aussicht.“
Lucrezia: „Lass uns erst alles einrichten, dann kannst Du nach den Nachbarn sehen.“
Jasper: „Ich wollte heute Nacht die Sterne beobachten. Und ein Horoskop für unser neues Zu Hause erstellen.“

Mateo: „Die Couch hier drüben hin.“
Elek: „Ja, denke ich auch.“
Lucrezia: „Du solltest Dein Teleskop hier draußen aufstellen. Und wir sollten in Zukunft hier frühstücken.“

Jasper: „Ist eine gute Idee. Gleich morgen früh würde ich sagen.“
Lucrezia: Ich denke ich schau mal… nach Cleo.“
Jasper: „Mach das. Wir kommen hier unten schon klar.“

Johnny: „Was soll das? Warum teile ich mir die Etage mit Cleo?“
Lucrezia: „Cleo braucht Licht und Platz und beides ist hier reichlich vorhanden.“
Johnny: „Es geht nicht, dass Du ständig hier durchgehst!“

Lucrezia: „Oh doch. Es ist mein Schloss.“
Johnny: „Dann sollte ich einfach ausziehen. Vielleicht gehe ich zurück.“
Lucrezia: „Das Jugendamt ist für Zombies leider nicht mehr zuständig!“

Johnny: „Oh ja, vergiss nicht, mich immer wieder daran zu erinnern! Vielleicht sollte ich einfach rausgehen und ein paar Gehirne essen.“
Lucrezia: „Rede keinen Unsinn! Wir sind hier nicht in Hollywood.“
Johnny: „Nein, wir sind in Transsilvanien, das macht es ja so viel besser!“

Johnny: „Vielleicht ziehe ich einfach in die Gruft.“
Lucrezia: „Kommt gar nicht in Frage. Aus der Gruft machen Jasper und ich uns einen Partykeller!“
Johnny: „War ja klar.“



einige Etagen tiefer


Betty: „Bist Du wach?“
Vlad: „Jetzt ja.“
Betty: „Es gibt doch nichts schöneres, als ein paar Tage im eigenen Sarg.“

Vlad: „Jaja, das ist mein Sarg, aber der aus Kloster Snagov. Frage mich echt, wie der hier her kommt.“
Betty: „Oder was mit unserem alten Sarg passiert ist?“
Vlad: „Wie lange haben wir überhaupt geschlafen?“

Betty: „Lass uns was essen gehen.“
Vlad: Und dann machen wir uns noch ein paar schöne Nächte in unserem lauschigen Zuhause.“
Betty: „Aber dann fahren wir wieder in den Urlaub!“

Vlad: „Aber natürlich, mein Mondlicht. Was immer Dich glücklich macht.“

zweiter Akt

Zur selben Zeit
in einem Böhmischen Weiher


Ondrej: „Und hier ist wohne ich… also wohnen wir jetzt?“
Lilly: „Das ist ein Schiffswrack und eine Ruine.“
Ondrej: „Ja, das ist die frühere Burg eines Fürsten gewesen, der hier in der Gegend lebte. Zu Zeiten meines Großvaters war das. Ein Böser Fürst, der seine Untertanen quälte. Bis ihn ein Fluch traf und das ganze Schloss im See versunken ist.“

Lilly: „Geschah ihm recht!“
Ondrej: Es tut mir leid, dass es nur eine Ruine ist. Du hättest ein richtiges Schloss verdient.“
Lilly: „Ich mag Ruinen. Vor allem welche mit einer traurigen Geschichte.“

Ondrej: „Das ist eigentlich ein Single-Haushalt. Ich meine, ich hab hier bisher allein gelebt.“
Lilly: „Du hast ein Boot?“
Ondrej: „Naja, das hab ich für Dich besorgt. Zum Schlafen. Ich hab es mit Seegras gepolstert, damit Du es schön weich hast. Ich werde Dir auch jeden Tag frisches pflücken.“

Lilly: „Das ist schön. Ich hab noch nie in einem Boot geschlafen.“
Ondrej: „Mein Kumpel Schlornz meinte, das wäre eine Gute Idee.“
Lilly: „Auch ein Wassermann?“

Ondrej: „Nein nein, er ist ein Zwerg. Er ist schon seit über 100 Jahren verheiratet. Jasmin ist ne tolle Frau. Ich meine, die macht ihm Frühstück und sowas… Äh… Du musst aber kein Frühstück machen. Das mache ich schon.“
Lilly: „Dann kann ich in meinem Bootbett frühstücken. Es ist wirklich schön hier.“
Ondrej: „Es freut mich sehr, dass es Dir hier gefällt. Meine Mutter machte mir nie viel Hoffnung, dass meine Frau einmal glücklich seien würde.“

Lilly: „Warum nicht?“
Ondrej: „Naja… na wegen dem Ertrinken und so.“
Lilly: „Ist das Deine Geige? Spielst Du?“

Ondrej: „Für Dich doch gern. Was möchtest Du, dass ich für Dich spiele?“
Lilly: „Etwas Trauriges… ich mag traurige Lieder.“
Ondrej: „Ich bin so glücklich, dass Du hier bist.“

Lilly: „Danke… für alles.“
Ondrej: „Träum süß.“



Siebenbürgen
noch in der gleichen Nacht


Vlad: „Liebling, wir sind zu Hause.“
Betty: „Ich weiß, mein Liebster.“
Vlad: „Es ist schön, wieder hier zu sein.“

Betty: „Weißt Du noch, wie wir zum ersten Mal hach Hause gekommen sind?“
Vlad: „Aber natürlich mein Mondlicht. Und Du bist noch genau schön, wie damals.“
Betty: „Ach Du alter Charmeur!“

Betty: „Ja, hier war die Tür, aber wo ist die zweite Treppe geblieben?“
Vlad: „Oh, ich dachte Du magst es, dass die Ruine sich Stück für Stück verändert?“
Betty: „Ja, und zum Glück können wir fliegen.“

Vlad: „Nirgendwo ist es schöner als daheim.“
Betty: „Du bist mein zu Hause.“
Vlad: „Und wo immer ich mit Dir bin, ist es der schönste Ort der Welt.“

Betty: „Wir sollten unbedingt noch mal irgendwo Ski fahren.“
Vlad: „Ja, Schnee wäre schön.“
Betty: „Ich hoffe, es schneit bei den Zwergen.“

Betty: „Was ist das für eine seltsame Pflanze da drüben auf dem Turm?“
Vlad: „Eine Droseraceae… aber hier?“
Betty: „Lass uns das mal genauer ansehen!“

Vlad: „Meine Güte, die ist riesig! Die frisst sicher Vögel statt Inselten.“
Betty: „Meinst Du, das ist eines von Victors Experimenten?“
Vlad: „Ich sagte Vögel – nicht Dinosaurier.“

Betty: „Victor hat gesagt, dass die Vögel die Enkel der Saurier sind.“
Vlad: „Ob die ihnen auch Päckchen zu Nagara schicken?“
Johnny: „Das ist ein Experiment meiner Mutter.“

Betty: „Wer bist Du?“
Johnny: „Ich denke, so eine Art Vogel.“
Vlad: „Was?“
Johnny: „Kommt erstmal rein.“

Betty: „Also mal langsam? Was ist hier los? Wer bist Du, und was machst Du hier?“
Johnny: „Naja, ich wohne hier. Weil meiner Mutter jetzt das Schloss gehört.“
Betty: „Ich glaube, ich setz mich erstmal.“

Johnny: „Der Anwalt hat rausgefunden, dass sie der letzte überlebende Nachkomme des Grafen Tepes ist.“
Betty: „Nachkomme? Vlad, Du hattest Kinder?
Vlad: „Schöne Gitarre.“

Johnny: „Ja, ich hatte mal eine Band. Also bevor ich... “
Vlad: „Also wenn dann bist Du der letzte Nachkomme, oder?“
Betty: „Unterhaltet Euch mal. Ich bin gleich wieder da.“

Johnny: „Naja, ich bin wohl kaum ein lebender Nachkomme.“
Vlad: „Nun dafür bin ich nicht wirklich ein toter Vorfahr.“
Johnny: „Bekommst Du jetzt Ärger mit Deiner Lady?“

Vlad: „Ich denke nicht. Ich verstehe es nur nicht. Ich hatte nie Kinder.“
Johnny: „Oh, Du meinst, meine Mutter hat sich geirrt. Wäre toll, dann ziehen wir vielleicht wieder in die Stadt.“
Vlad: „Oh, es ist doch schön hier.“

Vlad: „Auch wenn Betty momentan lieber im Urlaub ist.“
Johnny: „Urlaub? Ihr könnt nicht weggehen. Ihr müsst meine Mutter dazu bringen, hier auszuziehen.“
Betty: „Da bin ich wieder. Und schau, was ich mitgebracht habe!“

Betty: „Komm, lass uns was zusammen spielen!“
Johnny: „Gerne.“
Vlad: „Interessante Technik. Könnte glatt von Victor sein.“

Johnny: „Hat Jasper gebaut.“
Vlad: „Jasper? Dein Vater?“
Johnny: „ Nein, der Freund meiner Mutter.“
Betty: „Nun lass uns doch in Ruhe spielen.“

Vlad: „Jetzt fällt es mir wieder ein! Mein Bruder Radu hatte eine kleine Tochter. Ihr Name war Maria…“
Johnny: „Dann bist Du also nicht mein Urgroßvater, sondern mein Urgroßonkel.“
Betty: „Lass doch das Ur weg, das macht einen so alt.

Betty: „Und wehe Du wagst es , mich Oma zu nennen.“
Vlad: „Aber Ihr könnt hier nicht bleiben.“
Johnny: „Ich will ja auch nicht bleiben.“

Betty: „Aber Vlad, er gehört doch gewissermaßen zur Familie. Wollen wir seine Mutter nicht wenigstens mal kennenlernen?“
Johnny: „Dann wollt ihr bestimmt, dass wir gehen.“
Vlad: „Interessant wäre es sicherlich.“

Vlad: „Aber nicht mehr heute Nacht. Die Sonne geht bald auf.“
Johnny: „Ihr seid echt Vampire, oder?“
Betty: „Wirklich schön, Dich kennengelernt zu haben... Neffe“

Vlad: „Ja, wir sehen uns dann morgen Nacht.“
Johnny: „Ja, klar. Bring ruhig die Laute wieder mit. Das hat Spaß gemacht.“
Betty: „Aber sicher doch.“

Vlad: „Du magst den Jungen, oder?“
Betty: „Weißt Du, wir nutzen doch den Ostflügel eh nicht und momentan sind wir auch im Urlaub…“
Vlad: „Müssen wir ihnen dann auch Päckchen zu Nagara schicken?“

Johnny: „Also an die beiden könnte ich mich gewöhnen.“

Johnny: „Hoffentlich treffen sie Mutter nicht zu bald…“

In einer der nächsten Nächte
Auf dem Grund der unterirdischen Wasserwelt


Ondrej: „Jetzt wo Du meine Rusalka bist, sollte ich Dir auch meine Schätze zeigen. Schließlich sind es jetzt ja auch Deine“
Lilly: „Schätze? Du meinst, wir sind reich?“
Ondrej: „Wirklich reich bin ich erst jetzt.“

Ondrej: „Komm einfach mit.“
Lilly: „Jetzt bin ich aber neugierig.“
Ondrej: „Ich hoffe, Du bist nicht allzu endtäuscht.“

Lilly: „Das ist Gold. Das sind Kisten voller Gold. Woher hast Du das alles?“
Ondrej: „Das ist von den Ertrunkenen. Ich habe es mit hergebracht, weil es sie irgendwie beruhigt, ihr Gold in ihrer Nähe zu haben.“
Lilly: „Die Ertrunkenen? Wie ich?“

Ondrej: „Nein, Du bist meine Rusalka. Das ist etwas anderes. Es geht um die Seelen der Ertrunkenen?“
Lilly: „Die Seelen der Ertrunkenen? Es spuckt hier?“
Ondrej: „Nein, die Seelen sind der Wahre Schatz. Hier in den Töpfchen.“

Lilly: „Du hast die Seelen von Ertrunkenen hier im Keller… in diesen Zuckerdosen?“
Ondrej: „Ich weiß, es sind viel zu wenige. Ich bin der schlechteste Wassermann, den es gibt.“
Lilly: „Das glaube ich nicht.“

Xenia: „Ich glaube es nicht! Sprotte hatte Recht. Du hast tatsächlich eine Jungfrau ersäuft. Wurde ja auch Zeit!“
Ondrej: „Mutter, das ist Lilly, meine Rusalka. Lilly, das ist Xenia. Deine Schwiegermutter.“
Lilly: „Sehr erfreut.“

Xenia: „Lass Dich ansehen. Sehr hübsch!“
Lilly: „Danke.“
Xenia: „Na dann komm, sonst verpasst Du Deinen ersten Vollmond!

Lilly: „Vollmond?“
Xenia: „Ja, im Mondlicht kann eine Rusalka das Wasser verlassen, um auf einer nahen Wiese zu tanzen.“
Lilly: „Tanzen? Wie?“

Ondrej: „Viel Spaß meine Liebste.“
Xenia: „Ich bin sehr glücklich, dass mein nichtsnutziger Sohn nun endlich eine Frau hat, jetzt wird er wohl auch seine Aufgabe ernster nehmen.“
Lilly: „Welche Aufgaben hat ein Wassermann denn?“
Xenia: „Nun, die zu ertränken, die es wagen, den Seen zu nahe zu kommen.“

Lilly: „Aber warum denn?
Xenia: „was meinst Du, was es für das Ökosystem eines Gewässers bedeutet, wenn hunderte von Badegästen darüber herfallen? Wenn sie das Ufer zertreten, die Tiere verjagen und ihren Müll dort lassen? Zumeist reichen drei Ertrunkene pro Jahr, damit die Menschen Respekt lernen und das Gewässer meiden.“
Lilly: „Und diese Ertrunkenen landen dann in den Zuckerdosen?“

Xenia: „Das sind ganz spezielle Seelendöschen aus feinstem Perlmutt-Porzellan. Aber nun komm erstmal an Land.“
Lilly: „Ich habe Beine! Ich habe meine Beine wieder…“
Xenia: „Ja natürlich hast Du Beine. Wie willst Du denn sonst tanzen?“

Xenia: „Jetzt noch einen Schleier für Dich und Du bist bereit dumme Wanderer in den Tod zu locken?“
Lilly: „Ist das auch meine Aufgabe?“
Xenia: „Nein, wir dürfen das aus Spaß machen.“

Lilly: „Hm, was wenn ich niemanden … ertränken möchte?“
Xenia: „Sieh es als Rache dafür, dass mein Sohn Dir in so jungen Jahren dasselbe angetan hat.“
Lilly: „Aber ich wollte sterben.“

Xenia: „Oh, eine von diesen tragischen Jungfern. Nun, Du findest schon noch Deinen Spaß an den Vollmondnächten.“
Lilly: „Auf das tanzen freue ich mich tatsächlich schon.“
Xenia: „Was soll eigentlich dieser Hut. Du brauchst dringend was Hübscheres.“

Xenia: „Glöckchen, Kleines, kannst Du meiner Schwiegertochter bitte einen schönen Blumenkranz machen?“
Glöckchen: „Aber sicher, Tante Xenia.“
Lilly: „Wie süß, eine Blumenelfe“

Glöckchen: „Hier ist der Kranz. Endlich ist hier auf der Wiese mehr los.“
Xenia: „Jetzt musst Du Lilly aber auch zeigen, was Du schon bei mir gelernt hast.“
Glöckchen: *kicher* „Aber ich tanze nur. Ich ertränke niemanden.“

Xenia: „Tatsächlich sehr hübsch. Fast so sehr, wie ich damals.“
Lilly: „Das machst Du aber hübsch, Glöckchen.“
Glöckchen: „Ich übe ja auch schon sehr lange.“
Xenia: „Elegante Bewegungen sind wichtig. Verführerisch muss eine Rusalka sein.“

Xenia: „Was machst Du da? Drei Schritte vor, drei Schritte zurück? Was soll das? Ist es das was man den Prinzessinnen heute beibringt?“
Lilly: „Ich bin keine Prinzessin. „
Xenia: „Was, nicht mal eine Prinzessin hat Ondrej ertränkt. Nun, ich hätte es mir denken sollen.“

Lilly: „Prinzessinnen sind doch dumm und ständig steht ihr ganzes Leben in den Klatschzeitungen. Ich will gar keine Prinzessin sein.“
Xenia: „Wolltest Du deshalb ertrinken?“
Lilly: „Nein das hatte andere Gründe.“

Glöckchen: „Es ist doch egal. Jetzt bist Du eine Rusalka und darfst tanzen.“
Xenia: „Als wenn sie das könnte.“
Glöckchen: „Mach einfach dasselbe wie ich, Lilly.“

Xenia: „Sie wird Jahre brauchen, um überhaupt so gut zu werden, wie Du, geschweige denn wie eine echte Rusalka. So kann sie niemanden in ihr Unglück führen.“
Glöckchen: „Sie schafft das schon. Ich mag Lilly.“
Lilly: „Aber ich möchte niemanden unglücklich machen. Dafür war ich viel zu lang selbst unglücklich.“

Glöckchen: „Und schau … nach vorne. Die Schleier müssen dabei richtig fliegen.“
Lilly: „Und Du findest es gut, wenn Menschen, die im Wald spazieren gehen, einfach in den See gelockt werden?“
Glöckchen: „Wenn die die Blumen abreißen, die Pilze umtreten und ihre Hunde die Häschen aufschrecken…“

Lilly: „Ja, für Dich ist das sicher schrecklich. Für Dich sind die Blumen und alles… Familie.“
Glöckchen: „Fehlt Dir Deine Familie, Lilly?“
Lilly: „Nicht wirklich. Alle haben sich immer nur gestritten und versucht einander weh zu tun.“

Glöckchen: „Du Arme.“
Xenia: „Ja, so sind die Menschen. Und deshalb haben sie hier im Wald und in den Seen nichts zu suchen!“
Lilly: „Aber es sind doch nicht alle Menschen so. Ich war nicht so, als ich noch ein Mensch war.“

Glöckchen: „Ich finde es schön, dass Du da bist. Und wir sollten tanzen.“
Lilly: „Weißt Du, wie bei uns die Kinder tanzen?“
Glöckchen: „Nein, zeigst Du es mir?“
Xenia: „Das kann doch nicht wahr sein!“

Xenia: „Warum? Mein Sohn ist der nichtsnutzigste Wassermann in ganz Böhmen und meine Schwiegertochter tanzt Ringelreihen. Womit habe ich das nur verdient?“
Glöckchen: „Das macht Spaß.“
Lilly: „Ja. Und wir müssen dabei keine Leute unglücklich machen.“

Xenia: „Ach früher war alles besser…“

Dritter Akt

Am ersten sonnigen Frühlingsvormittag
In der Traumstädter Altstadt


Dönerverkäufer: „Mein Freund. Du willst Döner? Wie immer?“
Mann: „Ja Achmed, ohne Tomate und mit viel Knoblauchsauce.“
Dönerverkäufer: „Hey hübsche Frau, Willst Du Döner? Achmed hat beste Döner in Stadt“

Herr Cenusi: „Was ist denn nun so wichtig. Ich habe wirklich keine Zeit.“
Frau Cenusi: „Lilly wird immer noch vermisst.“
Herr Cenusi: „Ja, die Polizei war schon bei mir. Für die Information hätte ich nicht meine Pause opfern müssen.“

Kalinka
Emely: „Bitte schön.“
Musikant: „Danke“
Skaterin: „Achtung!“

Herr Cenusi: „Du hättest sie besser erziehen sollen. Wahrscheinlich ist sie mit ihren neuen Freunden durchgebrannt.“
Frau Cenusi: „Sie hat doch gar keine Freunde. Du hast Dich ja aus dem Staub gemacht und hast mich mit ihr allein gelassen. Weißt Du eigentlich wieviel Nerven diese Mädchen mich kostet? “
Herr Cenusi: „Sie ist volljährig und kann gehen, wohin sie will. Ich versteh überhaupt nicht, was das mit der Anzeige soll.“

Junge Mutter: „Müsst ihr immer panschen?“
Junge: „Lana hat angefangen.“
Mädchen: „Hab ich gaaar nicht!“

Floranja: „Emely?“

Emely: „Floranja, was machst Du denn in Traumstadt?“
Floranja: „Ich mache eine kleine Pause vom Winter und genieße die Frühlingssonne. Und den Kaffee.“
Emely: „Wir haben uns ja seit Alaska nicht mehr gesehen.“

Floranja: „Hübsches neues Kleid hast Du.“
Emely: „Ja, Mylady meinte, eine Dame müsste auch wie eine solche aussehen.“
Floranja: „Özcans Schwiegermons…?“

Emely: „Ja, Mylady hat mir eine Menge beigebracht. Das ich noch viel Bildung brauche und Benehmen.“
Floranja: „Du warst ja mit Igor zusammen, nicht wahr?“
Emely: „Ja… ich… Ups… nein… Der schöne Kaffee.“

Floranja: „Ist ja nicht schlimm, frag die Verkäuferin einfach, ob sie ein Tuch hat.“
Emely: „Nein. Ich hab den Kaffee ja nicht gekauft, sondern hergehext.“
Floranja: „Na dann gibt es sicher auch einen Zauberspruch gegen verschütteten Kaffee.“

Emely: „Nicht schon wieder Schokotörtchen!“
Floranja: „Sieht doch lecker aus.“
Junge: „Ich krieg Dich!“

Junge Mutter: „Es reicht. Wir gehen nach Hause!“
Emely: „Ich hab gar keinen Hunger.“
Floranja: „Dann musst Du wieder eine Kaffeetasse daraus machen.“

Emely: „Ich hab da eine bessere Idee.“
Mädchen: „Ich will aber noch nicht nach Hause.“
Emely: „Guten Tag. Ich würde Sie und ihre Kinder gern zu einem Schokoladentörtchen einladen.“

Junge Mutter: „Sehr freundlich, aber ich weiß nicht.“
Emely: „Bitte, es ist nicht böse gemeint. Ich habe sie nur gekauft und jetzt doch keinen Hunger.“
Kinder: „Oh ja, Mama, Bitte! Wir wollen Kuchen.“

Junge Mutter: „Esst vernünftig!“
Floranja: „Ich muss langsam wieder aufbrechen. Ich habe noch eine Menge zu tun.“
Emely: „Ja, ich muss auch weiter. Mein Wald wartet.“

Frau Cenusi: „Weil Du damals ein Kind wolltest, habe ich meine Schauspielschule aufgegeben.“
Herr Cenusi: „Dann sei doch zufrieden, dass sie jetzt weg ist.“
Frau Cenusi: „Du bist genauso undankbar wie Deine Tochter!“

Emely: „Dämonia hatte mir geschrieben. Ich bin eine Hexe und kann meinen Wald nicht so lange allein lassen.“
Floranja: „Und Igor?“
Emely: „Mylady hat gesagt, ich bin noch sehr jung und muss erstmal etwas aus mir machen.“

Junge Mutter: „Jetzt geht’s aber nach Hause.“
Mädchen: „Och, jetzt schon?“
Junge: „Kaufst Du uns noch was?“

Floranja: „Irgendwie hat sie da wohl recht.“
Emely: „Ja Mylady ist eine sehr kluge Frau. So gebildet.“
Floranja: „Aber Du solltest nicht zu viel Zeit mit ihr verbringen.“

Floranja: „Vielleicht solltest Du eine Bäckerei eröffnen. Das mit dem Kuchen kannst Du schon ganz gut.“

Einige Nächte später
Im „Rülpsenden Einhorn“


Sabarinda: „Ich verstehe nicht, warum Du es gut heißt, das Schlornz nicht mehr die Schätze der Berge hütet. Allein das Chronomantium, das dort unten liegt. Wenn die Menschen es entdecken, die Folgen wären nicht auszudenken!“
Hejkal: „Aber Sabi, Du hast doch auch den Berg verlassen, um hier Dein Glück zu machen.“
Mondlicht: „Wollt ihr noch was?“

Veilchen: „Also Scilla spielt wunderschön. Aber sag mal, wo ist der Vodnik geblieben?“
Schwanenmaid: „Woher soll ich das wissen?“
Glöckchen: „Darf ich mittanzen?

Veilchen: „Glöckchen, Du bist noch viel zu klein.“
Schwanenmaid: „Geh doch und spiel mit Deinen Blumen.“
Glöckchen: „Aber Tante Xenia meinte, ich kann schon gut tanzen.“

Schlornz: „An Deinem letzten Abend, solltest Du hier nochmal richtig Spaß haben.“
Jasmin: „Und Du willst wirklich wieder zurück nach Hause, Dunja.“
Dunja: „Ich würde gern bei Euch bleiben. Aber mein Vater wartet doch schon längst auf mich.“

Harkan: „Hallo Jasmin. Schön, dass Du auch hier bist.“
Jasmin: „Hallo Harkan. Ich muss mir doch mal ansehen, wo Du arbeitest. Außerdem meinte Schlornz, es wäre eine gute Idee, mit Dunja herzukommen.“
Glöckchen: „Kannst Du tanzen?“

Dunja: „Oh, ich fürchte nicht. Das habe ich bisher nicht gelernt.
Glöckchen: „Dann wird es aber Zeit.“
Sabarinda: „Hey Schlornz, alter Stollen!“

Jasmin: „Oh Sabarinda, sieht man Dich auch mal wieder. Wie laufen die Geschäfte?“
Hejkal: „Jetzt lass die beiden doch erstmal hinsetzen.“
Glöckchen: „Jemanden wie Dich hab ich noch nie gesehen. Bist Du auch ein Waldgeist?“

Schlornz: „Das ist Dunja, Eine junge außerirdische, die uns gerade besucht.“
Sabarinda: „Ich dachte, ihr habt Vampire als Urlaubsgäste? Bezahlen Außerirdische auch gut?“
Dunja: „Nein, ich bin keine Urlauberin. Ich bin nur auf der Durchreise.“

Mondlicht: „Etwas Nektar für das junge Fräulein?“
Sabarinda: „Und wohin reist Du als nächstes?“
Dunja: „Erstmal zu meinem Vater nach Siebenbürgen zurück. Und dann zu seinem Heimatplaneten.“
Schwanenmaid: „Vom Schwimmen tun mir die Füße nicht so weh.“

Dunja: „Eigentlich wollte ich mich heute Abend ja noch von Ondrej verabschieden. Schade, dass er nicht hier ist.“
Schlornz: „Ich hab den Vodnik schon seit Wochen nicht mehr gesehen.“
Glöckchen: „Das liegt daran, das Ondrej Lilly ertränkt hat.“

Jasmin: „Ich glaub es nicht! Ondrej hat jetzt eine Frau?“
Schwanenmaid: „Du lügst doch! Ondrej hat nie im Leben eine ertränkt! Das kann er nicht!“
Glöckchen: „Doch hat er. Und Lilly ist sehr lieb und hübsch ist sie auch.“

Veilchen: „Wo willst Du hin?“
Schwanenmaid: „Ich geh nach Hause!“
Glöckchen: „Und Lilly hat auch mit mir getanzt!“

Glöckchen: „Wenn die Schwanenmaid weg ist, kannst Du ja mit mir tanzen.“
Veilchen: „Ich schau lieber mal nach ihr. Hätte nicht gedacht, dass es sie so mitnehmen würde. Schließlich wollte sie nicht ertränkt werden.“
Glöckchen: „Sie ist doch selbst schuld! Und ich mag Lilly.“

Habernitza: „Gleich sind wir da. Komm aus dem Busch heraus.“
Junge: „Ich will aber nicht!“
Habernitza: „Es geht nicht darum, was Du willst.“

Harkan: „Guten Abend. Wer seit ihr denn?“
Habernitza: „Halte mich bitte nicht auf. Sag mir einfach, wo ich den Hejkal finde.“
Harkan: „Hejkal feiert mit den Zwergen und den grünen Mädchen.“

Habernitza: „Natürlich ist er wieder am Feiern! Ich habe nichts anderes erwartet.“
Junge: „Vielleicht hat er Spaß, Mama.“
Harkan: „Er ist da hinten.“

Glöckchen: „Wer ist das denn?“
Habernitza: „Hejkal!“
Hejkal: „Oh nein, was machst Du denn hier?“
Glöckchen: „Huhu!“

Habernitza: „Nicht mal ein Buh zur Begrüßung für Deine Schwester?“
Hejkal: „Du kommst doch sicher nicht ohne Grund.“
Habernitza: „Es geht um Hejkal. Du musst den Kleinen nehmen. Er muss lernen ein Buschgespenst zu werden. Ich kann mich darum nicht auch noch kümmern.“
Schlornz: „Jetzt ist Zeit zum Tanzen, Dunja!“

Dunja: „Aber ich kann das wirklich nicht.“
Hejkal: „Ich kann mich nicht um meinen Neffen kümmern. Ich hab keine Ahnung von Kindern.“
Habernitza: „Dann lerne es! Die Anzahl der Kornfelder wird immer größer. Und Du müsstest die Maschinen sehen, mit denen sie darüber fahren.“

Harkan: „Schlornz tanzt mit grünem Mädchen, statt mit Jasmin. Das ist nicht richtig.“
Jasmin: „Nein nein, Harkan. Mit Dunja darf er tanzen.“
Harkan: „Will Jasmin dann mit Harkan tanzen?“

Habernitza: „Hier, das ist der kleine Hejkal. Hejkal, das ist Dein Onkel! Ich muss gehen.“
Hejkalchen: „Buh, Onkel Hejkal!“
Glöckchen: „Ihr heißt beide Hejkal? Das ist lustig.“

Hejkal: „Tu mir das nicht an! Dein Kleiner kann Dir doch helfen, wenn Du sowieso so viel zu tun hast.“
Habernitza: „Diskutier nicht mit mir. Hejkal ist ein Buschgespenst und somit gehört er zu Dir. Du kannst Dich nicht um jede Verantwortung drücken!“
Hejkal: „Ich hab doch auch was zu tun hier im Wald.“

Habernitza: „Ja, feiern! Mein letztes Wort ist gesagt. Wir sehen uns nach der Ernte.“
Hejkalchen: „Auf wieder sehen, Mama.“
Hejkal: „Und was machen wir beide jetzt?“

Hejkal: „Ich will gar nichts machen. Ich will gar nicht hier sein.“
Sabarinda: „Nun reicht‘s aber, mein Kleiner! Jeder hat seine Aufgaben. Und Du lernst Deine von Deinem Onkel. Und nun geh mit Glöckchen spielen. Los!“
Glöckchen: „Oh ja.“

Dunja: „Und Du bist sicher, dass mir das helfen wird?“
Hejkal: „Du hast mich gerettet. Danke. Du kannst das gut mit Kindern.“
Sabarinda: „Ich hatte viel Zeit, um mit Schlornz zu üben. Ja, dafür tanzt Du jetzt mit mir.“
Glöckchen: „Komm mit kleiner Hejkal!“

Hejkalchen: „Was machen wir hier?“
Glöckchen. „Spaß haben.“

Vlad: „Guten Abend Freunde.“
Schlornz: „Jetzt ist der Spaß wohl vorbei.“
Harkan: „Warum ist das grüne Fräulein traurig?“

Betty: „Dunja, es ist so weit. Wenn wir heute Nacht hin und zurück wollen, müssen wir jetzt aufbrechen.“
Hejkal: „Wollt Ihr nicht doch noch etwas bleiben?“
Vlad: „Nein, ich denke, von der Elfentaverne haben wir erstmal genug.“

Jasmin: „Auf Wiedersehen, meine Kleine. Pass gut auf Dich auf! Und irgendwann kommst Du wieder, ja?“
Dunja: „Ja, ich… werde zurückkommen.“
Hejkal: „Ich hab jetzt meinen Neffen hier. Ich würde ihn Euch ja mal vorstellen. Wenn ich wüßte, wo er gerade ist.“

Glöckchen: „Schau mal, hier drin schläft ein Waschbär.“
Jasmin: „Ach Harkan, es ist nicht fair, das die kleine Dunja so weit weg muss.“
Harkan: „Hier ist schön. Alle kommen hierher wieder.“

Vlad: „Victor hat mich gebeten, Dich abzuholen. Imo geht ihm furchtbar auf die Nerven deinetwegen.“
Betty: „Mehr als Polly sicher nicht.“
Dunja: „Ja, ich freue mich auch darauf, Pilzchen wiederzusehen. Ich muss ihm doch erzählen, was ich alles gelernt habe.“

Hejkal: „Da bist Du ja!“
Jasmin: „Lass uns nach Hause gehen, Schlornz.“
Schlornz: „Natürlich, mein Blümchen.

Glöckchen: „Wir spielen nur.“
Jasmin: „Sabarinda, komm doch mal zum Kaffee vorbei!“
Schlornz: „Nur wenn Du nicht wieder über Vaters Miene redest.“
Sabarinda: „Kommt gut nach Hause, ihr zwei.“
Hejkal: „Kleine Buschgespenster gehören langsam in ihren Baumstumpf. Glaube ich.“

Schlornz: „Hejkal scheint völlig überfordert zu sein, mit dem kleinen.“
Jasmin: „Wir sollten ihm vielleicht helfen.“
Schlornz: „Solange es Dich ablenkt und Du nicht mehr so traurig bist.“

Sabarinda: „Musst Du nicht auch langsam in Deine Blume zurück?“
Glöckchen: „Nein! Muss ich gar nicht.“
Sabarinda: „Komm, ich bring Dich zu Deiner Lichtung.“

Harkan: „Gute Nacht, Euch beiden.“