Willkommen im Traumwald
Mythen und Märchen

die Sache mit dem Urlaub 22

des Wassermanns traurige Liebe

Erster Akt

im böhmischen Traumwald
Einige Tage später


Dunja: „Sieh nur, die sehen aus wie Pilzchen.“
Schlornz: „Ja, die sind hübsch. Aber giftig. Jasmin will doch Pilzsuppe machen.“
Dunja: „Aber Pilzchen ist gar nicht giftig, er ist mein Freund, weißt Du?“

Schlornz: „Fehlen Dir Deine Freunde und Deine Familie nicht zu Hause?“
Dunja: „Ja schon. Emely fehlt mir. Und Pilzchen natürlich auch. Auch mein Vater und Dr. Evil. Aber hier ist es auch schön. Ich muss noch so viel lernen.“
Schlornz: „Lass uns noch etwas Feuerholz mitnehmen.“

Dunja: „Was ist mit den Pilzen?“
Schlornz: „Ja, die sind lecker.“
Dunja: „Ich habe so viel von der Welt gesehen. Aber ich konnte dort nie bleiben. Wir mussten immer sofort weiter. Ich denke ich mache hier erstmal … wie heißt das?“

Schlornz: „Urlaub.“
Dunja: „Genau, Urlaub! Was ist mit dem Pilz?“
Schlornz: „Nein, der ist auch giftig. Weißt Du, umso schöner die Pilze aussehen, umso gefährlicher sind sie auch. Ist bei den Menschen meist nicht anders.“

Dunja: „Da sind noch welche von den leckeren Pilzen!“
Schlornz: „Ja, mach das mal. Ich sag derweil mal dem Vodnik guten Tag.“
Dunja: „Dem Wassermann?“

Musik
Schlornz: „Hey Ondrej!"
Dunja: „Wie wundervoll. Ich liebe Musik.“
Schlornz: „Der hat wieder seinen Melancholischen.“

Schlornz: „Den Winter verbringen Wassermänner allein tief unten im See und das macht ihn unglücklich.“
Dunja: „Das ist traurig.“
Schlornz: „Na ich denke, seine Mutter wird ihn öfter besuchen. Nicht wahr, Ondrej?“

Ondrej: „Ich hatte schon befürchtet, Euch nicht wiederzusehen, holdes Fräulein. Willkommen an meinem Teich.“
Schlornz: „Jetzt geht das wieder los!“
Dunja: „Oh, ich freue mich auch, Dich wiederzusehen.

Dunja: „Ist es wahr, dass Du den Winter allein im See verbringen musst.“
Ondrej: „Nur so lange, bis ich eine Frau finde, die mir aus Liebe dorthin folgt.“
Dunja: „Wie ist es unter Wasser?“
Ondrej: „Wunderschön. Ich kann es Dir gern einmal zeigen, wenn Du möchtest.“
Schlornz: „Das kommt überhaupt nicht in Frage! Wir haben versprochen, auf sie aufzupassen. Jasmin erschlägt mich, wenn Du sie ersäufst!“

Dunja: „Ersäufen?“
Ondrej: „Wie sonst könntest Du mir folgen? Aber Du würdest nicht sterben. Du würdest eine meines Volkes werden.“
Dunja: „Mein Vater sagte, ich könne gar nicht ertrinken. Unsere Spezies könne unter Wasser atmen. Als kleine Larve habe ich in Emelys Badewanne gewohnt.“

Dunja: „Aber ich würde Deinen Teich trotzdem gern sehen.“
Ondrej: „Dann komm mit mir, mein liebreizendes Fräulein.“
Schlornz: „Aber bleibt nicht zu lange! Jasmin wartet auf die Pilze.“

Ondrej: „Ich hoffe, das Wasser ist Dir nicht zu kalt. Im Sommer ist es wärmer.“
Dunja: „Ich war schon in der Antarktis. Ich glaube kaum, das es irgendwo kälter sein kann.“
Ondrej: „Du siehst sicher zauberhaft aus im Schnee.“

Dunja: „Wir haben die magische Eiskugel gerettet. Es war ein tolles Abenteuer.“
Ondrej: „Und jetzt erlebst Du ein neues Abenteuer. Folg mir.“
Schlornz: „Na dann viel Spaß ihr beide.“

Ondrej: „Willkommen in meinem Reich.“
Dunja: „Das ist riesengroß hier. Der Teich war so viel kleiner dort oben. Schau nur, das ist ein Hai.“
Ondrej: „Ja, alle Teiche, Seen und Meere sind hier unten verbunden zu einem riesigen Wasserreich.“

Dunja: „Da hinten! Das sind Kinder. Ich hab als Kind auch unter Wasser gelebt, hat Emely erzählt.“
Ondrej: „Das sind Nixenkinder. Nixen leben ihr ganzes Leben unter Wasser. Möchtest Du Guppy und Sprotte kennenlernen?“
Dunja: „Oh ja. Das wäre schön. Vielleicht können wir mit ihnen spielen?“
Ondrej: „Hallo Kinder. Darf ich Euch Dunja vorstellen?“

Guppy: „Ist die hübsch. Ist das jetzt deine Frau Onkel Ondrej?“
Dunja: „Nein. Ich doch nicht. Was spielt ihr da?“
Sprotte: „Ich hab das Steuerrad gefunden. Jetzt bin ich ein Pirat.“
Ondrej: „Im Winter erzähle ich Euch wieder Piratengeschichten.“

Xenia: „Ondrej? Bist Du da?“
Ondrej: „Oh nein, das ist meine Mutter. Sie sollte Dich nicht sehen. Lass uns weitergehen.“
Dunja: „Wollen wir sie nicht begrüßen? Emely fehlt mir.“
Ondrej: „Vielleicht besuchen wir lieber mal Deine Mama.“

Forella: „Ondrej! Komm runter und stell uns Deine Frau vor!“
Dunja: „Warum glauben alle sofort, ich wäre Deine Frau?“
Ondrej: „Weil Du wunderschön bist. Und weil Du aussiehst, als würdest Du ins Wasser gehören.“
Dunja: „Nein, liebe Nixen. Meine Mutter war ein Frosch.“

Ondrej: „Es tut mir leid. Alle hier wissen, wie einsam ich bin.“
Dunja: „Aber warum bist Du einsam? Die Nixen sind doch hier. Und Deine Mutter.“
Ondrej: „Aber das ist eben nicht das gleiche. Wäre es so furchtbar, bei mir zu bleiben? Hier im Meer?“
Dunja: „Darum geht es nicht. Ich mag Dich. Und das Wasser ist schön. Aber ich muss noch meine Welt retten.“

Dunja: „Es wird Zeit für mich.“
Schlornz: „Na wird Zeit. Jasmin wartet sicher schon mit dem Nudelholz.“
Dunja: „Oh nein. Es wäre furchtbar, wenn Jasmin sich Sorgen macht.“
Schlornz: „Na wenn der alte Vodnik ein Mädel sieht, weiß man nie…“

Ondrej: „Und nun verlässt Du mich, holdes Wesen?“
Dunja: „Ich werde wiederkommen.“
Ondrej: „Wann Liebste?“
Dunja: „Ich habe eine Aufgabe. Ich muss sehr weit weg zu den Sternen.“

Ondrej: „Ich werde jeden Abend zu den Sternen sehen und an Dich denken.“
Dunja: „Erst muss mein Vater die Arbeit an der Zeitmaschine beenden. Und ich muss noch so viel lernen.
Schlornz: „Na komm schon, sag auf wiedersehen.“

Schlornz: „Sehen wir uns Sonntag zum Kartenspielen?“
Ondrej: „Wer weiß, wann der See zufriert.“
Dunja: „Bis bald.“

Schlornz: „Hat er Dich wirklich um den Finger gewickelt?“
Dunja: „Ich finde ihn sehr nett.“
Ondrej: „Leb wohl meine Sternenprinzessin.“

Musik

zweiter Akt

Am nächsten Tag
In Siebenbürgen


Ra: „Ach meine Isis. So schnell ist er nie geschlafen, als Du nicht hier warst.“
Polly: „Hat Dir Deine Mama gefehlt mein kleiner Thut?“
Ra: „Es war seltsam. Es gab Tage, in denen er sehr unruhig war und ich wusste nicht warum. Und dann haben sie im Radio berichtet, welche Schwierigkeiten es mit der Eiskugel gab. War er ruhig und glücklich, wusste ich, dass Du in Sicherheit bis, meine Isis.“

Polly: „Du glaubst, er hat das gespürt?“
Ra: „Nein, es war eher, als hätte er vorher gewusst, was passieren würde.“
Polly: „Ja, vielleicht hatte Dr. Evil recht, das er mich in den Schwangerschaftsurlaub geschickt hat und ich nicht in der Chronmantium-Strahlung hätte sein dürfen.“

Polly: „Dämonia wird sicher glücklich sein, über hellsichtigen Nachwuchs im Wald.“
Ra: „Es ist so schön, dass Du wieder hier bist. Du hast nicht nur Thut gefehlt.“
Polly: „Ja, Albi hat mich sicher auch vermisst.“

Ra: „Setzt Dich, meine Isis. Ich hab Dir frische Hörnchen besorgt.“
Polly: „Danke. Nichts gegen Emelys Kuchen. Aber irgendwann ist mal wieder etwas nichtmagisches Backwerk auch was Schönes. Irgendwas, wo man sich sicher sein kann, das es zuvor mal aus Eiern und Mehl bestand und nicht aus Stöckern, Steinen oder Möwenfedern.“
Ra: „Milch habe ich auch für Dich. Gladys ist mit mir in den Supermarkt nach Traumstadt gefahren.“

Polly: „Jetzt machen wir beide das wieder alles zusammen. Ich will nie wieder weg von Euch.“
Ra: „Wenn Du willst, können wir nachher noch etwas im Schnee spazieren gehen.“
Polly: „Ja, aber erst später. Erstmal möchte ich einfach die Ruhe genießen.“

Polly: „Das schönste am Reisen ist das heimkommen.“
Ra: „Wenn Du nochmal die Welt retten musst, kommen wir einfach mit.“
Polly: „Oh ja, Thut hätten die Pinguine sicher gefallen.“

Polly: „Hast Du mit Gladys auch Schokolade gekauft?“
Ra: „Aber sicher.“

Einige Tage später
Dr. Evils Labor


Victor: „Die Zellwände von Pilzen bestehen aus Chitin. Ich frage mich, ob man sie mit Insekten Kreuzen könnte?“
Pilzchen: „Pilze mit Flügeln?“
Victor: „Auf jeden Fall ist es ein sehr interessantes Buch, dass Du mir da mitgebracht hast.“

Pilzchen: „Hm, wären dass dann Pilzelfen? Hab mich schon lange gefragt, warum es die nicht gibt.“
Imo: „Ich dachte, ihr Fungiiden seid Wichtel?“
Pilzchen: „Aber Flügel wären doch schön.“

Ulf: „Tut mir leid, dass ich zu spät dran bin. Aber ich musste mich ja noch um Emelys Hühner und Ischades Pferde kümmern. Also ehrlich, ich komm mir schon vor, wie auf unserer kleinen Farm.“
Victor: „Gut dass Du kommst. Mani jault schon nach Dir.“
Ulf: „Ich hab das Gefühl, ihr macht hier nicht den Bock zum Gärtner, sondern den Wolf zum Hirten. Soll ich mir einen Schafspelz besorgen?“

Ulf: „Aber ich hab Mani was mitgebracht. Ich weiß es nicht, wohin mit den ganzen Eiern. Wird echt Zeit, dass Emely wiederkommt.“
Victor: „Polly ist ja wieder da, aber sie ist in der Elternzeit. Nichts gegen Pilzchen, aber wenn das so weitergeht, mache ich doch noch Pilzelfen…“
Pilzchen: „Das hab ich gehört!“

Ulf: „Ich hab mit Hans geredet. Dämonia lässt sich nur sehr vage darüber aus, wo die anderen sind. Emely ist wohl mit einem Vampir oder sowas ähnlichem durchgebrannt.“
Victor: „Oh, hätte ich von unserer Emely gar nicht gedacht. Ich dachte, sie steht eher… na auf Typen wie Dich.“
Ulf: „“Typen wie mich?“

Victor: „… äh…“
Imo: „Mich würde vielmehr interessieren, wann Dunja endlich wieder hier eintrifft. Jetzt wo die Zeitmaschine vollendet ist.“
Ulf: „Ist sie? Wollt Ihr nicht nochmal einen Versuch machen?“
Victor: „Aber nicht mit Mani!“

Imo: „Nein, den Versuch mache ich schon selbst. Ich bin fest überzeugt, dass es vollendet ist. Ich habe noch eine tragbare Einheit gebaut, die wir sowieso brauchen, um ins alte Ägypten zurück zu kommen.“
Victor: „Müsste das Raumschiff nicht heute noch dort sein?“
Imo: „Das schon. Aber wer weiß in welchem Zustand. Wir werden 4000 Jahre zurückreisen müssen, in die Zeit von Ra, in der ich damals gelandet bin. Dort das Raumschiff bergen, wo ich es versteckt hatte und dann noch einmal mit dem Raumschiff durch die Zeit reisen, um rechtzeitig Kaja Terrana zu erreichen, um die Kajaner auf die Katastrophe vorzubereiten."

Victor: „Das wird sicher nicht ungefährlich. Vor 4000 Jahren war die Gegend noch von Barbaren besiedelt!“
Imo: „Ja, das macht mir auch Sorgen. Andererseits sind wir übers Mittelmeer und durch Griechenland gekommen.“
Ulf: „Mani mein Kleiner. Ich hab Dein Frühstück.“

Pilzchen: „Ich will gar nicht, dass Dunja weggeht.“
Victor: „Irgendwie leid tut Dunja mir auch. Sie ist hier geboren und ihre Genetik ist zum Teil auch von dieser Erde. Es wird ihr schwer fallen, hier wegzugehen.“
Imo: „Dunja ist klug genug, zu wissen, wie wichtig unsere Mission ist.“

Victor: „Meinst Du, sie ist wirklich schon soweit?“
Imo: „Erstmal müsste sie endlich von ihrer Reise zurückkommen. Ich dachte Dämonia würde besser auf sie Acht geben.“
Ulf: „Dämonia ist eine erfahrene Hexe. Sie weiß, was sie tut.“

Victor: „Wenn sie soweit ist, wird sie nach Hause kommen.“
Imo: „Ihr zu Hause müssen wir erst einmal retten.“
Victor: „Was mir auch sorgen macht, ist dass vor 4000 Jahren hier noch kein Labor war und der Berg noch ganz den Feuerwesen im Vulkan gehörte. Keine Ahnung, ob Flambert damals schon hier arbeitete.“

Imo: „Vielleicht müsste man ihn fragen. Es muss doch sicher irgendeinen Paragraphen dazu geben.“
Victor: „Am besten Polly. Die kennt sich mit der VulkanBürokratie am besten aus. Außerdem scheint Flambert sie tatsächlich zu mögen.“
Imo: „Ich werde sie um Hilfe bitten.“

Ulf: „Wie wärs, kommst Du nachher noch mit zu Hans auf eine Party Karten?“
Pilzchen: „Ja gerne.“
Ulf: „Ich bin echt urlaubsreif!


dritter Akt

In einem verwunschenen Tal nähe Traumstadt
Die Nacht vor dem Vallentinstag

Lilly: „Ich bin so … unglücklich.“

Lilly: „Ich bin … so allein.“

Lilly: „Die Welt ist so ungerecht und böse… und intolerant und …“

Lilly: „Niemand liebt mich…“

Lilly: „Ich hasse mein Leben…“

Lilly: „Was für ein wunderschöner Ort. Hier möchte ich für immer begraben sein…“

Lilly: „Ich will nicht mehr.“

Ondrej: „Was tust Du? Du musst besser aufpassen. Du hättest ertrinken können.“
Lilly: „Lass mich doch sterben. Ich will dieses einsame Leben nicht mehr.“
Ondrej: „Du möchtest ertrinken, weil Du einsam bist?“

Lilly: „Du verstehst das nicht…“
Lilly: “Was tust Du?“
Ondrej: „Ich helfe Dir!“

Ondrej: „Du wirst nie wieder allein sein.“

Lilly. „Was geschieht mit mir?“
Ondrej: „Du bist jetzt eine Rusalka… meine Rusalka.“
Lilly: „Ich heiße aber doch Lilly.“

Ondrej: „Meine Lilly. Du wirst nie wieder allein sein“
Lilly: „So habe ich mir mein Leben nach dem Tod eigentlich nicht vorgestellt.“

Ondrej: „Wie dann, meine Liebste?“
Lilly: „Ich… ich weiß es nicht.“
Ondrej: „Na dann müssen wir das herausfinden.

Ondrej: „Wir haben noch eine ganze Ewigkeit füreinander Zeit.“