Willkommen im Traumwald
Mythen und Märchen

Nagara

Das Dorf Maris lag weit im Norden Akrons. Nur wenige Tage von der Grenze zur dunklen Ebene entfernt.
Aber davon merkte man hier nichts. Die Frauen sammelten Brotnüsse im Wald und die Männer jagten oder hüteten die kleinen Ziegen dieser Region.
Aber niemand beklagte sich über diese Arbeit, denn es war ihr Leben und sie liebten den Wald. Kühle Schatten bedeckten den Boden, auf dem Pilze und Beeren wuchsen.
Bunte Vögel zwitscherten in den Bäumen Und wo ein Sonnenstrahl durch die Baumkronen fiel wuchsen bezaubernde duftende Blumen. Die Menschen von Maris liefen immer wieder mit großen staunenden Augen durch den Wald. Er war ihre Heimat, er war ihr Leben.
Nagaras Mutter war schon eine alte Frau, die nicht mehr jeden Tag in den Wald konnte. Oft blieb sie zu Hause auf der Bank vor ihrem kleinen Haus und genoss die warmen Sonnenstrahlen. Dann ging Nagara allein hinaus, um Brotnüsse und andere Leckereien zu suchen.
Dabei ging sie immer viel tiefer in den Wald hinein, als die anderen Frauen, die zu jenen Plätzen gingen, die dem Dorf schon seit Jahrhunderten bekannt waren. Auch freute sich Nagara bereits auf den Tag, an dem sie ihre gesammelten Nüsse aus dem Speicher holen, in Säcke schütten und auf dem Leiterwagen zur Mühle bringen würden.
Drei Mal war sie schon bei der großen Wassermühle gewesen. Der Müller war ein dicker Mann mit freundlichem Gesicht, der ihr immer lustige Geschichten erzählte. Aber das interessanteste an der Mühle, waren all die anderen Menschen, die dort hinkamen! Bevor die das erste Mal an der Mühle gewesen war, hätte sie nie geglaubt, dass es so viele Menschen geben könnte.
Aber bis sie wieder zur Mühle fuhren, waren es noch einige Wochen und bis dahin hieß es, die kostbaren Nüsse zu pflücken die an vereinzelten Sträuchern im Wald wuchsen. Der Boden in Akron erlaubte keinen Ackerbau. Die Pflanzen wuchsen eben dort, wo sie es konnten und dort musste man sie finden.
Nagara hatte ihr Körbchen im Arm und lief hinaus. Ihre schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht und ihre großen dunklen Augen suchten die Umgebung ab. Nur manchmal blieb sie stehen und roch an den Blüten des Hilia-Strauchs, die sie mehr liebte als alles andere. Dann steckte sie sich eine der blauen Blumen in die Haare und ging weiter in den Wald hinein.
An diesem Morgen ging sie einen Weg, den sie vorher noch nie gegangen war. Sie fand nicht viele Nüsse, daher ging sie immer und immer weiter. Die Sonne stand schon fast im Mittag, als sie auf einmal eine kühle Quelle entdeckte. Die Steine glitzern in der Sonne und die Wasserpflanzen wiegen sich wie langes Haar im Wind. Nagara freut sich, denn sie hatte Durst. Also beugte sie sich hinunter und trank von dem frischen Wasser.
„Was bist denn Du?“, hörte sie ganz in ihrer Nähe eine glockenhelle Stimme. Erschrocken blickte das Mädchen auf, da sie sich vorher mutterseelenallein wähnte. Was sie sah, ließ sie im ersten Moment noch mehr erschrecken. Auf einem Stein mitten in der Quelle saß ein blaues Wesen. Seine Haut waren glitzernde Schuppen wir von einem Fisch. Seine Hände und Füße waren Flossen und seine großen runden Augen schauten sie neugierig an. Ein solches Wesen hatte Nagara noch nie gesehen, oder auch nur Geschichten darüber gehört. Und dieses Wesen fragte nun sie, was sie sei.
„Ich bin Nagara.“, antwortete sie stockend. „Ich bin eine Frau.“
„Oh, Du bist eine von diesen Sterblichen.“ Er kichert. Es klingt wie das fröhliche Glucksen eines Bächleins. Es ist das wundervollste Geräusch, das Nagara je gehört hat und sie spürt ihr Herz schneller schlagen und die Hitze ihr ins Gesicht steigen.
„Und wer bist Du?“, fragte sie schließlich. Ihre Hände zittern vor Aufregung
Er steht von seinem Stein auf und kommt etwas auf sie zu. Sein schmaler Mund scheint zu lächeln.
„Ich bin Kilin. Ich bin der Geiste dieser Quelle.“ In seinen Augen funkelt etwas, das Nagara so nie zuvor gesehen hat. Ihr Herz klopfte so stark, dass sie kaum noch atmen konnte.
„Du solltest jetzt gehen, kleine Sterbliche.“ Seine nasse Hand strich über ihre Wange. Sie fühlt sich an wie geschliffener Bernstein. Für einen kurzen Augenblick glaubt sie, dass ihr die Sinne schwinden und schloss ihre Augen.
Als sie sie wieder öffnete, war sie allein an der Quelle.
Völlig benommen von dieser Begegnung ging sie den Weg zurück, den sie hierhergekommen war. Ihre Hände streiften ab und an die Blätter einiger Sträucher an denen sie vorüberging. Aber sie sah weder Nüsse noch irgendetwas anderes auf ihrem Weg. In Ihrem Kopf tönte immer noch das Lachen des Quellgeistes. Sie sah seine Augen vor sich und spürte seine Berührung noch immer an ihrer Wange. Nagara folgte dem Weg, als würde sie schlafwandeln. Trotzdem war sie sehr viel früher wieder im Dorf als sonst. Besorgt stand ihre Mutter von der Bank auf.
„Was ist mit Dir, Kind?“
„Nichts Mama.“, summte sie leise. Und doch wirkte sie verändert. Ihre Wangen glühten rosenrot und ihre Augen leuchteten wie Sterne. Ja, Nagara war noch schöner als sonst. Ihre Mutter sah ihr verwundert nach, als sie im Haus verschwand. Sie Symptome waren ihr sehr wohl bekannt. Schließlich war auch sie einmal jung. Aber wem könnte sie im Wald begegnet sein? Vielleicht einem jungen Jäger aus einem anderen Dorf? Die alte Frau beschloß, ihre Tochter bei Gelegenheit mal auszufragen. Aber heute nicht mehr. Nagara schwelgte in ihren Träumen weit weg von der Welt derer, die nicht verliebt sind.
Auch am nächsten Morgen brach Nagara in den Wald auf. Sogar noch früher als am Tag zuvor. Die Sonne war noch nicht einmal richtig aufgegangen, als sie sich bereits ihr Körbchen nahm und sich auf den Weg macht.
Jeder Schritt erschien ihr zu weit bis sie endlich das Plätschern der Quelle hörte. Eilig lief sie ihm entgegen. Aber sie war allein dort. Als sei es nur ein Traum gewesen.
„Kilin! Wo bist Du?“, rief Nagara schon fast verzweifelt. Und im glitzernden Wasser erkannte sie erst sein Spiegelbild und dann sah sie ihn. Nagara war überglücklich und spürt schon wieder ihr Herz bis zum Hals schlagen.
„Was willst Du hier? Sagte ich Dir nicht, Du sollst gehen?“ Wieder hört sie sein silbern klingendes Lachen.
„Ich bin ja gegangen. Gestern. Aber heute bin ich wieder hier.“ Das Mädchen lächelte schüchtern. Und ihre Hand näherte sich ihm. Aber er wich geschickt zur Seite. Er lachte wieder.
„Ich hab nie gesagt, Du sollst wieder herkommen.“ Sein Lachen klang immer noch wie das Gurgeln eines Baches. Egal was er sagte, es berauscht sie und sie hörte den bösen Unterton gar nicht.
„Aber ich wollte Dich wiedersehen. Ich wollte bei Dir sein.“ Immer noch streckte sie ihm ihre Hand entgegen.
„Du bist eine Sterbliche, Du bist nur Staub und wirst mich nie halten können. Du bist nicht einmal schön.“ Wieder lachte er und verschwand erneut im Wasser.
Nagara spürte heiße Tränen in ihre Augen steigen und langsam schnürte es ihr die Kehle zu. Noch immer hörte sie sein Lachen in ihrem Kopf und alles was sie spürte ist Sehnsucht. Tiefes Verlangen, ihn wiederzusehen. Ihn noch einmal zu berühren. Sie sankt nieder auf die Steine am Rande der Quelle und wartet, ob er nicht wiederkommt. Er kann das doch nicht so gemeint haben.
Aber er kam nicht zurück. Erst als langsam die Dämmerung einbrach, stand Nagara auf und ging den Weg zurück zu ihrer Mutter.
Ihr Korb ist leer. Keine einzige Nuss hatte sie gesammelt. Keine Beere oder sonst etwas, dass sie die nächsten Tage essen könnten.
Zu Hause angekommen ging sie ohne ein Wort in ihr Bett. Doch ohne Schlaf zu finden in dieser Nacht. Irgendwann war ihr Kissen nass von Tränen.
Und als die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster hereinfielen, stand sie wieder auf und lief in den Wald hinein. Dieses Mal sogar ohne ihren Korb. In ihren Gedanken war nur noch Platz für Kilin. Er hatte doch gestern nur einen bösen Scherz mit ihr getrieben, versuchte sie sich selbst zu sagen. Er müsste sie doch genauso lieben wie sie ihn! Wie er sie am ersten Tag ansah, wie er ihre Wange streichelte. Wie kann sie ihm egal sein?
Sie erreichte die Quelle. Aber wieder war sie allein. Verzweifelt ließ sie sich nieder und begann zu weinen. Ihre Tränen schienen nicht versiegen zu wollen, wie diese Quelle. Stunde um Stunde saß sie dort und konnte sich nicht beruhigen.
„Du wirst mein Wasser noch versalzen!“ Da stand er wieder vor ihr und als sie zu ihm aufschaute, sind all ihre Tränen vergessen.
„Ich wusste, Du würdest kommen.“, Schnell stand sie auf, um ihm näher sein zu können.
„Kannst Du nicht wo anders das Wasser versalzen?“ Erneut wich er zurück und lachte glockengleich
„Ich wollte nur bei Dir sein. Ich sehnte mich so nach Dir…“ Wieder hob sie ihre Hand zu ihm. Aber erreicht ihn nicht.
„Geh zurück zu Deinesgleichen. Ich will Dich hier nicht!“ Und wieder verschwand er im Wasser. Nagara war als würde sie sterben. Als wäre er gegangen und hätte ein großes Stück ihres Herzens herausgerissen und mit sich genommen.
Langsam drehte sie sich um und ging in den Wald hinein. Nicht nach Hause. Einfach irgendwo hin. Durch den Schleier aus Tränen sah sie ihren Weg auch nicht… Tiefer und tiefer lief sie in den Wald. Bis es Nacht wurde und sie sich irgendwo niederlies. Leise schluchzend schlief sie ein. Immer wieder murmelte sie leise seinen Namen und sie betete zur Göttin, dass sie keine Sterbliche mehr wäre und ihn halten könnte…
Vom klaren Himmel herab sah die Mondin mit ihrem silbernen Auge auf sie herab. Sie hörte das Wehklagen des Mädchens, sah ihre bitteren Tränen und sie hatte Mitleid mit ihr. Im nächsten Augenblick teilte sich vor Nagara die Dunkelheit und vor ihr stand eine großgewachsene Gestalt. Weiches schwarzes Fell schluckte alles Licht. Und in ihrem katzenhaften Gesicht leuchteten zwei silberne Augen. Jedes Kind wusste, wie Luna Majai aussah, aber niemand hatte sie je wirklich gesehen. Und nun stand sie vor Nagara und ihre weiche Pfote streichelte über ihre tränennassen Wangen. Es fühlte sich an wie kühler Nachtwind. Aber auch das ließ Nagaras Tränen nicht versiegen.
„Ich wünschte, ich könnte ihn halten.“, schluchzte sie leise.
Luna Majai lächelte und küsste ihre Stirn. Im selben Augenblick spürte Nagara wie ihr kalt wurde. Nicht dass sie fror, es war eher dieses unglaubliche Gefühl, kurz bevor man friert, wenn die Haut kühl ist und leicht spannt. Nagara fühlte sich unsterblich schön und in einer seltsamen inneren Ruhe glücklich.
Noch bevor sie sich dessen richtig bewusst wurde, hatte die Nacht sich wieder um die Silhouette der Mondin geschlossen und die Göttin war in der Dunkelheit verschwunden.
Nagara lächelte und ging langsam Schritt für Schritt nach Hause.
Und jeder Schritt war die der aller erste. Alles um sie herum neu und wundervoll. Und sie wusste, nun würde sie glücklich sein.
Am nächsten Morgen brach sie auf in den Wald. Sie ging langsam, beschwingt, fast schwebte sie über den Boden.

Und dann sah sie schon das Wasser glitzern. Es war nie schöner gewesen als an diesem Morgen.
„Kilin!“ fast erschrak sie selbst vor ihrer Stimme. Sie klang hell und süß. Langsam ging sie bis ans Ufer.
„Kilin!“ rief sie ihn erneut und blickte hinunter ins Wasser und erkannte ihr Spiegelbild. Ihr Haar war wie das schwarze Glitzern eines Wasserfalls. Ihre Haut wie Mondlicht. Und doch war es ihr Gesicht!
„Du hast Dich verändert.“, hörte sie Kilins Silberstimme. Und Nagara streckte ihm die Arme entgegen.
„Nun werden wir für immer zusammen sein!“ Kein Mensch hätte ihrem Lächeln wiederstehen können. Aber Kilin war kein Mensch und sein Herz kalt wie das Wasser der Quelle.
„Du wirst mich nie halten können. Egal wie schön Du bist.“
Nagara spürte wie ihr Herz zu Eis wurde und ihr Innerstes gefror, bis es ihren Hals zuschnürte und sie es hinausschrie.
„Wenn Du nicht mit mir leben willst, dann auch nicht allein!“ Und mit jedem Wort wurde es Kälter. Die eisige Wut sprudelte aus ihr heraus, wie sonst nur Das Wasser aus der Quelle. Aber diese war wie versteinert.
Das Eis hielt sie gefangen und Kilin mit ihr. Sie sah sein Gesicht durch das Kristall. Sie streckte ihre Hände zum Himmel.
„Wenn Du mich nicht sehen willst, sollst Du auch die Sonne nie wieder sehen!“ Über ihr brauten sich dicke Wolken zusammen bis die Welt grau schien. Und dann begann es zu schneien. Weiße Flocken fielen vom Himmel. Jede von ihnen so schön wie Nagara selbst. Langsam begruben sie die Welt unter einem Schleier aus Weißer Kälte. Die ganze Welt und das Eis der Quelle.
Da saß sie nun. Und solange ihr Hass und ihre Wut ihr Kraft gaben, erfror die Welt um sie herum.
Die Menschen in den Dörfern glaubten, die Götter hätten sie verflucht. Es gab kein Essen mehr, die Tiere erfroren genauso wie die Kinder.
Sie begannen ihre Häuser zu befestigen und wärmere Kleidung zu nähen. Von Stunde zu Stunde, die sie wach waren, beteten sie, dass es wieder enden möge. Auch Nagaras Mutter war verzweifelt. Wähnte sie ihre Tochter doch längst tot in den Wäldern.
Doch eines Nachts, als sie erneut zur Mondin betete, öffnete sich die Nacht und vor ihr stand die schwarze Göttin.
„Suche Deine Tochter.“ Raunte sie ihr zu und ihre Stimme war weich wie Samt.
Dann verschwand sie genauso schnell, wie sie gekommen war. Die alte Frau überlegte nicht lange. Sie zog sich warm an und hing in die Nacht hinaus. Sie erinnerte sich, welchen Weg ihre Tochter eingeschlagen hatte und folgte diesem, so gut sie konnte.
Sie irrte durch den Schnee. Doch auf einmal fand sie einen Hilia-Strauch und an ihm eine letzte blaue Blüte, die ihre Tochter einst so geliebt hatte. Mit zitternden Händen pflückte sie sie und ging weiter. Es dauerte noch Stunden, bevor sie die Quelle erreichte. Und dort saß Nagara und es schien kein Leben mehr in Ihren Augen zu sein.
„Nagara, Liebes.“ Sprach ihre Mutter sie an. Aber die drehte sich nicht einmal um. Vorsichtig strich sie über ihre Haare. Erst dann drehte sie sich um. Aber es war nur Hass in ihren Augen. Sie schien ihre Mutter nicht einmal zu erkennen. Doch dann sah sie die Blüte in der Hand der alten Frau. Nagara drehte sich um und berührte die Blüte und über ihr Gesicht huschte das weiche Lächeln von einst.
Die Wolken hörten auf zu schneien und rissen auf. Am blauen Himmel strahlte die Sonne. Doch Nagara sah wieder zu der zugeschneiten Quelle.
„Verzeih mir Mutter.“ Flüsterte sie zum Abschied und dann lief sie langsam in den Wald hinein. Ihre Mutter sah sie nie wieder. Aber andere Menschen berichteten immer wieder, sie gesehen zu haben. Dann wenn die Schneestürme über das Land fegten, sah man sie hindurchlaufen.
Nagaras Mutter hatte den Menschen in ihrem Dorf die Geschichte erzählt, wie Nagara die blaue Hiliave erkannte und es aufhörte zu schneien. Und jedem Fremden, denen sie begegneten, wurde sie Geschichte weitererzählt.
Es vergingen Monate voller Verzweiflung, Hunger und Tot. Und dann schmolz der Schnee und das Leben kehrte zurück. Die Menschen feierten, tanzten und sangen und vergaßen Nagara.
Nagara hatte nicht vergessen. Irgendwann spürte sie, wie ihre Kräfte schwanden. Der Hass in ihrem Inneren der Erschöpfung wich. Sie war so unsäglich müde. Weit oben im Norden hatte sie eine Höhle gefunden. Dort legte sie sich nieder und schlief ein.
Sie träumte von Kilin. Wie sie im Sonnenschein durch kristallklares Wasser schwammen…
Sie wusste nicht, das viele Monate dauerte, bis sie erneut erwachte. Wieder brach sie auf zu Kilins Quelle. Sie spürte den Weg. Alles in ihr zog sie dort hin.
„Kilin“ rief sie ihn erneut. Ihre Stimme war immer noch so zuckersüß wie im Jahr zuvor.
„Ich dachte, Du hättest es aufgegeben.“
„Ich werde niemals aufgeben.“
„Und ich werde nie mit Dir zusammen sein.“ Sagte er noch und sprang zurück ins Wasser, welches über ihm bereits wieder zu Eis erstarrte.
Die Menschen spürten die kommende Kälte und erinnerten sich an die Geschichten über die blauen Blumen. Jeder ging in den Wald und pflückte Sträuße von Hiliaven, die sie dann in ihre Häuser stellten. An die Fenster, damit Nagara sie sehen würde, wenn sie an den Häusern vorbeikam.
Und tatsächlich sah Nagara auf dem Weg ihrer Verwüstung immer wieder die blauen Blumen und sie erinnerte sich an Wärme und Liebe und hielt einen Augenblick inne…
Von nun an, kam sie jedes Jahr immer zur gleichen Zeit zurück in die Wälder und mit ihr das, was die Menschen Winter nannten. Aus Geschichten werden Legenden und aus Legenden Mythen. Irgendwann glaubte niemand mehr an das Mädchen Nagara. Aber man glaubte an die Geschichte, die von Generation zu Generation am Feuer weitererzählt wurde. Und jedes Jahr in der längsten Nacht es Jahres, gingen die Menschen hinaus und pflückten Hiliablüten und schmückten ihre Häuser damit. Dann buken sie Brot und schenkten sich Dinge für die lange kalte Jahreszeit. Sie feierten miteinander und sie nannten das Fest Nagara.

Ende